Welcher Weintyp bin ich?

Ein paar Entscheidungshilfen

René Blanco und Nadine Reichmuth führen durch den Abend. Weine aus verschiedenen Gegenden werden degustiert. Dies ist eine gute Möglichkeit, um herauszufinden, welcher Wein wem schmeckt und warum.

Wir degustieren immer in sogenannten flights, jeder à zwei Weine.

Frage: Warum schmeckt ein Wein in den Ferien besser als zuhause?
Zum Einen, weil das lokale Essen dazu passt. Dann spürt man im Wein aber je nach Höhenlage auch andere Aspekte heraus, respektive kommen gewisse Aspekte zur Geltung, während andere in den Hintergrund treten. Wein schmeckt am Meer definitv anders als in den Bergen.

Weisswein: Erster Flight

Chasselas vs Chardonnay

Der Chasselas ist ein weicher, feiner Wein während Chardonnay im Kontrast dazu mit Kraft, Länge und Eleganz auftrumpft.

Chasselas lässt sich auch gut alleine trinken. Vom Charakter her ist er ein leichter, feiner Wein, kein Angeber. In dieser Beziehung könnte man sagen, er repräsentiert unter den Rebsorten den Charakter der Schweizer.

Aber gehen wir Schritt für Schritt vorwärts.


Chardonnay, Chablis, Chablais

Das Gebiet Chablis (Burgund) ist mittig zwischen Champagne und Burgund anzusiedeln. Hier gibt es nur Chardonnay Trauben. Aus dem Gebiet des Chablais (Schweiz) kommt der Chasselas.

Chardonnay kann man übrigens praktisch überall anbauen. Daraus erklären sich die verschiedenen Ausprägungen derselben Traube.
Beim Chardonnay spürt man die Frucht gut, der Wein ist deswegen aber nicht süss.

Der Kalkboden im Chablis-Gebiet sorgt für viel Ausdruck und Mineralität. Er verleiht dem Chablis seine Länge, diese ist ein wesentlicher Unterschied zum Chasselas.

Chasselas ist ein leichtes Weinvergnügen und passt, niemand kann es wirklich erklären, wunderbar zu Fondue. Chablis dagegen ist dank seiner Länge und Säure ein wunderbarer Begleiter von Meeresfrüchten.

Zum Wein Chablis La Sereine


Anmerkungen zu anderen Rebsorten und Zwischenfragen der Gäste:

Der Riesling-Sylvaner kommt an der heutigen Degustation nicht zum Zug. Er heisst ausserhalb der Schweiz Müller-Thurgau. Das ist kein Riesling, sondern eine Kreuzung aus Riesling und Madeleine Royale.  

Je langsamer der Wein am Glas herunter fliesst nach dem Schwenken, desto höher ist die Viskosität und somit der Alkoholgehalt. Das ist aber kein Qualitätsmerkmal an sich!

Wenn Sie einmal Gäste haben: Beim Servieren wird die Flasche so gehalten, dass das Etikett gut zu lesen ist.

Beim Degustieren konzentrieren wir uns auf 4 Aspekte (BLIK):

Balance (es stört nichts im Wein wie hervortretende Säure, Leichtigkeit, Schwere, Alkohol)

Länge von 0 bis 10. Bei unserem Chablis beträgt sie 6 bis 7

Intensität von 0 bis 10. Beim Chablis 4 bis 5, der Chasselas 2 bis 3.

Komplexität (überschneiden sich verschiedene Aromen über die Zeit, in welcher der Wein im Mund ist? Zum Beispiel Kirschen werden abgelöst von Holz, dann kommt Pfeffer, irgendwann ist sogar ein wenig Leder spürbar). Die verschiedenen Geschmacksrichtungen erlernt man mit der Übung.

Weisswein: Zweiter Flight

Sauvignon Blanc vs Grüner Veltliner

Heute wird immer mehr Sauvignon Blanc weltweit angebaut, weil sein intensiv-aromatischer Geschmack den jungen Generationen schmeckt. Das ist gustatorisch ähnlich beim süsslichen Gewürztraminer.

Den Sauvignon Blanc erkennt man mit dem Auge gut an einem grünlichen Reflex, während für den Geschmack und die Nase gilt, dass er sehr aromatisch ist. In der Nase sind sofort Aromen von Stachelbeere, frisch gemähtem Gras und je nach Herkunft auch exotische Früchte wahrnehmbar.

Grüner Veltliner ist eine autochton österreichische Weissweintraube. (“autochton” heisst soviel wie “einheimisch”) und wird sonst fast nirgends angepflanzt.

Der Grüne Veltliner ist fülliger als Sauvignon Blanc, seine Farbe geht ins Lindengrün (mehr Gelb). Er hat einen typischen Geschmack von weissem Pfeffer, ist fruchtig (Pfirsich) und behält auch im Alter seine Frische.

Übrigens: Die verschiedenen Geschmacksnoten zu riechen und zu schmecken kann (und muss man auch) üben.

Säure

Bezüglich Säure kann spezifiziert werden, ob es eine liebliche Säure ist, eine wässernde oder eine spitze.

Im Mund versuchen unsere 4 Drüsen mit nachschiessendem Speichel, die starke Säure zu kompensieren.

Klar spürbar und oft nicht benannt ist die Kohlensäure. Diese entsteht beim Gärungsprozess des Traubensafts mit der Hefe. Dabei entstehen Alkohol und Kohlensäure. Durch etwas Hitze, mehr als 18 Grad, kann eine zweite Gärung provoziert werden. Darin wird scharfe Äpfelsäure in weichere Milchsäure (biologischer Abbau) konvertiert.

Beim Sauvignon Blanc ist die Säure klar spürbar und erfrischend. Deshalb ist das eher ein Wein für die warme Jahreszeit.

Doch auch das stimmt nur begrenzt! In den Bergen, auf einer Höhe ab 1000 m, bekommt diese Säure etwas Stützendes und der Wein eignet sich wunderbar auch als Après Ski Wein. Denn: In der Höhe wirkt die Säure weniger intensiv.

Anmerkung: Deshalb eignet sich auch Champagner für die Berge und fürs Flugzeug.

Die Cool Climate Weine haben übrigens stärkere und spitzere Säuren. Je näher am Äquator die Reben wachsen, desto mehr spitze Säuren (z.B. Apfelsäure) enthalten die Weine. Aber auch weniger Alkohol.

Zu starker Säure passt ein fettiger Fisch wie Lachs.


Rotwein: Erster Flight

Lagrein vs. Pinot Noir

Nur 3% der weltweit produzierten Weine haben das Potential und sind zum Altern hergestellt. Die meisten anderen, also ca. 95% können zwischen sofort und 5-8 Jahren nach Abfüllung getrunken werden.

Der Lagrein ist eine autochthone Rebsorte aus dem Südtirol. In unserem Fall entdecken wir Aromen von Kirsche und dunkler 72% Schokolade.

Er hat aber auch etwas Kanten, genau wie die Südtiroler.

Zum Wein Lagrein von Wilhelm Walch


Der Pinot Noir (französische Bezeichnung für noble Blauburgunder) braucht wie der Lagrein kalte Nächte und kann erst im Verlaufe des Tages mit Sonne umgehen.

Der Pinot Noir ist sehr rund und geschmeidig. Die Säure ist sehr zurückhaltend.

Rotwein: 2. Flight

Chianti vs. Tempranillo

Im Chianti-Gebiet finden wir hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Mit der Kälte der Nacht wird Säure aufgebaut, in der Wärme des Tages wird Säure wieder abgebaut. Der Tempranillo aus dem Rioja bekommt nicht so kalte Nächte und schmeckt entsprechend etwas rauher.
Werden die Trauben nachts gelesen, haben sie einen höheren, aber feineren Säureanteil und einen volleres Aromaspektrum.

Chianti: Der Sangiovese wird durch Beigabe von Merlot etwas weicher und zugänglicher.

Zum Wein Chianti Colli Senesi


Der Tempranillo schmeckt nach Kirsche (von der Traube) und Vanille (Holzton, der entsteht durch Kontakt des Traubensaftes mit getoastetem Eichenholz.

Eine einfache Regel lautet: Tannin braucht Protein. Deshalb wird zu den tanninhaltigen Weinen rotes Fleisch serviert.

Diese beiden einfacheren Tagesweine führen dazu, dass sie einen öffnen, Menschen kommen miteinander ins Gespräch. Daran hat der Merlot einen großen Anteil.

Rotwein: 3. Flight

Malbec vs. Bordeaux

Malbec stammt aus Cahors. Das ist eine sehr anspruchsvolle Traube, die genug Wärme braucht und zu viel Feuchtigkeit nicht verträgt. Sie ist mit sehr viel Erfolg nach Argentinien exportiert worden. Dort findet sie alles, was sie braucht. Den Malbec gibt es in Europa fast nicht mehr, heute stammen die meisten Bestände aus Argentinien.

Die Traube ist sehr empfindlich, viel Wasser mag sie nicht und reift sehr spät. Sonne mag sie nur zu ganz bestimmten Zeiten. Dafür bietet Argentinien das perfekte Terroir, Europa immer weniger.
Der Malbec hat typischerweise ein kräftiges bis schwarzes Rot. Der Wein riecht nach Tierhaut. Das Tannin ist eleganter. Dazu passt ein geschmortes Wildschwein mit Salbei und Thymian.

Preislich liegt Malbec zwischen 5 und 100 Franken, da ist alles möglich.

Der Bordeaux-Blend riecht klar nach Cabernet, erkennbar am Geruch nach grünem Paprika.

Zum Wein Château Labat

Der Wein eignet sich gut für Geschäftsessen, weil er in die Breite geht und Gesellschaften verbindet.

Pyrazine sind vorkommende Duftstoffe aus dem Cabernet Franc und dem Sauvignon Blanc. Daraus entstand die Kreuzung frei in der Natur der Cabernet Sauvignon.

Um das kräftige Tannin auszugleichen, serviert man gerne Fleisch, am besten ein Roastbeef mit Sauce Bernaise.

Wenn Sie mehr wissen möchten, melden Sie sich hier für unsere nächste Degustation an oder besuchen Sie uns in unserer Weinboutique La Galerie in Zürich!