Hier geht es zum Weinseminar – Wein mit Bildern und Farben beschreiben

Synästhtische Wahrnehmung des Schaumweines Château Moncontour

Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen nehmen Kinder ihre Umwelt synästhetisch wahr. Diese Fähigkeit gerät allerdings später oft in Vergessenheit. Nadine Reichmuth nimmt Sie mit auf die Reise zurück in die Kindheit, wo Klänge im Kopf ein Kino auslösen und der Sirup lila schmeckt. Inzwischen üben wir das allerdings mit Wein und lassen den Sirup weg.

Farbklänge und Wein

Wein kann mit mehreren Sinnen gleichzeitig wahrgenommen werden und deshalb auch mit Farben, Formen oder sogar Tönen beschrieben werden. Fangen wir mit den Farben an.

Mit der BLIK Technik bestimmen wir, ob ein Wein harmonisch ist oder nicht und wählen im Anschluss die Farben dazu. Doch welche Farbkombinationen sind harmonisch und welche nicht?

Farbharmonien

Ein wenig harmonischer Wein kann mit Komplementärfarben visualisiert werden. Wobei das ein sehr greller Farbklang ist. Heute finden wir wenig so schrille Weine, eigentlich nur jene mit Fehler.

Wird dieser Kontrast aber mit weiteren, nicht so leuchtenden Farben ergänzt (unreine Farben), kann die Spannung von unangenehm zu interessant wechseln.
Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass ein Farbklang zu Weinen in den meisten Fällen aus mehr als 2 Farben besteht.

Von welcher Farbe gehe ich aus?

Am einfachsten gelingt der Einstieg, wenn einem spontan eine Farbe in den Sinn kommt. Falls dies aber nicht der Fall ist, kann man auch vom Gefühl ausgehen, das ein Wein hinterlässt.

Ist das zum Beispiel eher ein Wein, bei dem ich mich grad wohlig warm umhegt fühle oder einer, der anregend, öffnend ist. Entsprechend stehen warme Farben für ein Gefühl von Nähe, während kalte für Weite stehen (in der Ferne sehen wir ja auch nur die kalten Farben).

Degustation Weissweine

Gewürztraminer von Wilhelm Walch

Der erste Weisswein stammt aus dem Südtirol, ein Gewürztraminer von Wilhelm Walch mit 13.5 Vol%. (Im Südtirol steht das Dorf Tramin, wo die Traube herkommt.)

Bemerkung Kursteilnehmers: Der Wein riecht nach Lychie, Rosen, exotischen Früchten, Blumen und weist eine mittlere Säure auf. In unserer Degustationsgruppe einigen wir uns auf Gelb-Orange-Töne mit einem Kontrast-Blau im Abgang. Dieser ist übrigens überraschend lang, der Wein gefällt uns!

Bild von Nadine Reichmuth und Farbzusammenstellung der Kursteilnehmer. Farbeindrücke sind sehr persönlich und können variieren. Dennoch sind auch immer wieder Übereinstimmungen feststellbar.

Im Grunde geht es bei dieser Herangehensweise mit Farben darum, die eigenen Farb-Assoziationen kennen und nutzen zu lernen. Sie sollen eine Hilfe sein, um Wein ohne Vorwissen für sich einstufen zu können.

Synästhetische Wahrnehmung ist sehr individuell, es gibt kein Richtig oder Falsch. In dem Sinne findet die Absicherung über eigene Vergleiche statt.

Aufgrund einer Forschung mit seinen Studenten fand Martin Darting heraus, dass Säure mit Grün assoziiert wird. Grautöne stehen für Mineralität, Alkohol geht ins Blau. Alle Arten von Braun verkörpern die Geschmacksrichtung Bitter. (In der Musik kommen diese gebrochenen Töne übrigens oft bei Moll-Stücken vor).

Neuchâtel Blanc von Château Auvernier

Der zweite Wein steht in starkem Kontrast zum Gewürztraminer, er ist ein Chasselas aus Neuenburg, auch Gutedel genannt.

Bemerkung Kursteilnehmer: Er riecht recht gut nach Weichselbeeren, Birne, Blumen, Heu, hat aber wenig Ausdruck, wenig Geschmack, wenig Säure und einen kurzen Abgang. In unserer Gruppe einigen wir uns auf Grautöne für den Chasselas.

Bemerkung von René Blanco: Es gibt den Chasselas auch als unfiltrierte Variante mit etwas mehr Geschmack.

Das ist ein Wein für leichte Apéros, aber besonders für den Genuss von Käse!

Er verlängert die Zeit, weil man nicht schnell müde wird wie von einem schweren Rotwein.

Das Bild zu Neuchâtel Blanc von Château Auvernier zeigt feine Töne. Dies ist vom Charakter her ein leichter Wein.

Pinot Bianco von Wilhelm Walch

Der dritte Wein ist ein Pinot Blanc, ebenfalls aus dem Südtirol.


Der Wein eignet sich zum Essen, z.B. einem kräftigen Dorsch mit Kartoffelstampf und kleinen Speckwürfeln. Daneben kann der Wein bestehen. Auch scharfes Thai-Essen passt gut dazu.

Bemerkung Kursteilnehmer:
Er hat viel Säure und “bewegt” sich irgendwie im Mund, er “oszilliert”.
Er ist etwas stachelig, entzieht sich zuerst dem Zugang. Auf der Zunge bleibt seitlich ein leichtes Kräuseln zurück.

Nadines Zeichnung mit dem grünen Kern und dem wilden Ringsherum trifft den Wein überraschend gut.

Dieser Wein wurde im Stahltank ausgebaut, was seine Frucht unverhüllt zum Ausdruck bringt. Er hat etwas elegant Feines, Kursteilnehmer beschrieben die Säure als stachlig.

Formeindrücke

Wie lassen sich nun die Formen interpretieren? Gibt es da auch so etwas wie eine Sprache, welche man benutzen kann? Und ist diese persönlich oder findet sich hier mehr Übereinstimmung?

In der Weinsprache finden sich schon viele Formen. Das wird von spitzer Säure oder rundem Tannin gesprochen, von einem robusten Körper oder einem filigranen Wein.

Formen sind aus unserer Erfahrung weniger persönlich, weil sie wenig emotional aufgeladen sind. Farben lösen praktisch immer Gefühle aus, man mag sie oder nicht, bei Formen sind die Menschen da indifferenter.

Weine mit spürbarer Säure haben auch in ihren Bildern oft spitze Formen, diese können ausgeprägter, feiner, im Vorder- oder Hintergrund sein.

Degustation Rotweine

Pinot Noir von Schloss Englar

Dieser Wein von Schloss Englar ist ein Pinot Noir aus dem Südtirol mit hoher, aber doch subtiler Säure.

Die Traube Pinot Noir mag zwar die Hitze des Tages, aber auch die Kälte der Nacht. Sie gilt als sensibel, weil sie eine dünne Haut hat und deshalb anfällig ist für Krankheiten.

Der Wein hat in seiner Farbigkeit etwas Dunkelblaues, allerdings blitzt auch rot auf.

Nadine empfiehlt den Wein für Momente mit Tiefe, das können auch ernste Angelegenheiten sein, Feiern, wo es um Übergänge geht, eine Hochzeit zum Beispiel oder Taufen.

Der Pinot Noir von Schloss Englat hat eine feine Säure, die allerdings sehr gut eingebunden ist. Der Wein hat Tiefe, die allerdings nicht ermüdend wirkt.

Chianti Colli Senesi

Der Chianti ist ein Sangiovese mit kleinem Merlot-Anteil.

Er hat bei Degustationen oft einen schweren Stand, da er klar ein Essensbegleiter ist (ideal zu italienischem Essen), allein getrunken schmeckt er nur seinen Liebhabern.

Das ist ein typischer Wein für unter der Woche, der einen Arbeitstag gut abschliesst, das Essen schön untermalt und geschmacklich bereichert und einen danach auch gut schlafen lässt. Auch wegen seiner Alkoholgehalts von lediglich 12,5%.

Für Nadine ist es ein Wein mit Kontrasten, mit Ecken und Kanten. Er hat eine gewisse Dimension, aber auch Feinheit.

Und: Es gibt einfach nichts Besseres als einen Chianti zu Pasta und Pizza!

Übrigens: Dieser Chianti passt hervorragend zu Birnenbrot!
Dessen eckiger Zucker fügt sich wunderbar zum “eckigen Wein”. Aber natürlich auch eine schwere Salami…

Dieser Chianti hat sowohl Feinheit wie auch Ecken und Kanten.
Kategorien: Gedanken zum Wein und Teaser-Startseite.

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