Weine aus Südtirol

Wegweiser Tramin und Kurtatsch im Südtirol
Wegweiser nach Tramin, dem Geburtsort der Rebsorte Gewürztraminer (Südtirol)

Das Südtirol und die Schweiz sind einander in Einigem verwandt: Beide sind mit einem vielfältigen Klima gesegnet und beide sind von den Bergen geprägt. Es gibt 4 echte Jahreszeiten. Alle können heftig sein.

Südtiroler Klima und Boden

Klima
Insgesamt herrscht im Südtirol ein ausgeglicheneres Klima als in der Schweiz. In dieser  nördlichsten Region Italiens scheint durchschnittlich an 300 Tagen im Jahr die Sonne.

Ausgleichend wirken die mediterranen Winde. In der Nacht sinken die Temperaturen zudem so stark, dass die Hitze des Tages abgeschwächt wird. Dies sind ideale Bedingungen für alle Arten von Obst- und Weinbau.

Boden
Die Bodenarten sind vielfältig und reichen von vulkanisch (in den Weingegenden Meran, Bozen und Kaltern – bei uns anzutreffen in der Westschweiz und im Wallis) über Sand- und Kalkböden (Passeiertal, in der Schweiz ebenfalls im Wallis) bis zum Quarz- und Glimmer (im Eisacktal. Hier wird wegen der relativen Kälte übrigens nur Weisswein angebaut).

Die Weichen für hochwertige Weine sind somit gesetzt. Ein Glück, dass die Alpen allzu kalte Winde abhalten und so die sensiblen Trauben schützen.

Landschaftsbild aus der Nähe von Tramin
Rebberge in der Nähe von Tramin

Traubensorten

Bei den vielen Gemeinsamkeiten ist klar, dass sich in den beiden Ländern ähnliche Rebsorten wohlfühlen. Viele Pinots zum Beispiel (Pinot Noir, Pinot Blanc oder Bianco und Pinot Grigio) und natürlich Chardonnay (denn das ist ja auch eine Pinot-Variation).

Pinot Noir kam übrigens vor ca. 130 Jahren über die Alpen ins Südtirol, ebenso wie Merlot und Cabernet Sauvignon.

Auch Sauvignon Blanc wird hier zu charaktervollen Weinen verarbeitet. Vor allem in den kühleren Gegenden (in höheren Tälern).

Diese Rebsorte erträgt das kühle Klima besser als zuviel Wärme, was auch ihre Verbreitung bis an die nördliche Weinbaugrenze erklärt (Ostschweiz, Deutschland).

Autochtone Rebsorten

Die roten autochthonen Sorten Lagrein und Vernatsch werden praktisch nur im Südtirol angebaut. Hier allerdings sind es die am meisten angepflanzten Trauben – und zwar auf 480 ha. Zum Vergleich: Diese Anbaufläche ist nur etwas grösser als die gesamte Bündner Herrschaft.

Zu internationaler Berühmtheit brachte es sonst noch der Gewürztraminer (Weisswein). Aus der Ortschaft Tramin stammend, hat er es über die Grenze hinaus geschafft. Er gedeiht vor allem in nördlichen Gegenden wie Deutschland oder im Elsass wunderbar. Genau wie alle anderen Trauben, erhält auch er je nach Boden und Klima unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten.

Gewürztraminer
Gewürztraminer Rebstock

Zum Vergleich: Die in der Schweiz autochthonen Rebsorten wie Chasselas oder Petite Arvine, Räuschling und viele andere wachsen effektiv nur in der Schweiz. Und auch ihre Weine schaffen es kaum über die Landesgrenze hinaus.

Nord und Süd

Die Anforderungen von Cabernet, Merlot und Lagrein an die Lagen sind grundverschieden von denen des Vernatsch.

Lagrein bevorzugt tiefgründigen, warmen Schwemmboden aus sandigen und schotterhaltigen Ablagerungen von Flüssen. Damit können Merlot und Cabernet Sauvignon auch sehr gut mithalten. Doch Vernatsch wächst im Pergolasystem auf kalkreichen und sandigen Lehmböden am besten voran.

Es gibt Ecken im Südtirol, wo sich im Sommer die Hitze staut, zum Beispiel im Talkessel von Bozen. Dort werden im Hochsommer teilweise bis zu 50°C erreicht! Diese Gegenden nennt man auch die Hölle des Südtirols.

Ganz im Norden gedeihen nur die weissen Rebsorten, es ist zu kalt für die roten. Es sind der Gewürztraminer, Pinot Bianco (Weissburgunder), Sauvignon Blanc, Pinot Grigio (Grauburgunder), Chardonnay und Müller Thurgau*.

Im Südtirol findet man auch Kleinstbestände von Riesling, Veltliner, Sylvaner, Kerner und Goldmaskateller (jeweils <100ha).

Ausdruck und Charakter der Rebsorten

Wie bereits erwähnt entwickeln die Trauben zusammen mit Boden und Klima überall andere Nuancen. Infolge des Kalkreichtums des Südtirols haben seine Weine oft eine mineralische oder auch salzige Note.

Die autochthonen Rebsorten Lagrein und Vernatsch zeichnen sich durch Leichtigkeit und Fruchtigkeit aus. Aus dem Wunsch heraus, einen langlebigeren Wein zu produzieren, werden diese beiden Rebsorten neuerdings ausgebaut (erst seit relativ kurzer Zeit). Grundlage dafür sind neue Anbaumethoden und eine verbesserte Kellertechnik.

Und als Vorbild dient nicht selten Bordeaux oder das Burgund. Speziell zu erwähnen ist, dass auch diese ausgebauten Weine nicht voluminös daherkommen, sie erreichen ihren vollen Körper mit 12,5 Vol%.

Lagrein Riserva von Konrad Pixner
Dieser reift insgesamt 2 Jahre im Keller (die Bezeichnungen Riserva sind in Italien von Region zu Region verschieden) und erweitert damit sein Aromen-Spektrum. Das Tannin entwickelt sich weiter, während die Holznoten gut eingebunden werden. Dafür hat vorher schon eine Selektion stattgefunden. Die Trauben für die Riserva Qualität stammen aus speziellen Lagen, die hohe Anforderungen erfüllen und qualitativ hochwertig sind.

Südtirols Weingärten und Winzer

Die Weingärten im Südtirol sind geprägt von vielen kleinen Parzellen. Genau wie in der Bündner Herrschaft oder im Wallis – und übrigens auch im Burgund. Einige davon befinden sich im Tal, viele klettern die Berghänge hoch, zum Teil gar an unwirtliche Stellen (in Höhenlagen bis 1000m ü M).

Unsere Selektion bei Albert Reichmuth umschließt drei Kellereien. Alle drei mit einem unterschiedlichen Ziel vor Augen in Sachen Preis und Qualität. Und von Weisswein bis Rotwein, von Blauburgunder oder Pinot Noir über Lagrein, Vernatsch, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer, Weißburgunder und Pinot Grigio ist fast alles vertreten, was Alto Adige (wie die Italiener die Region nennen) anzubieten hat.

Kurzportraits unserer Winzer

Weingut Wilhelm Walch
Julia Walch liegt der Weinbau im Blut. Die 31-jährige ist bereits die 5. Generation der Familie Walch, welche durch Julias Mutter Elena zu Weltruhm gelangte. Diese Frauenlinie setzt Julia nun fort.

Julias grosses Talent besteht darin, den Ausdruck ihrer Trauben im Wein abzubilden.
Ihr Rohmaterial sind die klassischen Südtiroler Rebsorten (9 ha, Steillagen).

Die Weinbereitung selbst geschieht in traditioneller Art – hier liegt der grosse Unterschied zu den Gewächsen ihrer Mutter – ohne den Einsatz von neuen Eichenbarriquen. Sie erzeugt hochstehende Weine mit einem attraktiven Preis- / Leistungsverhältnis: fruchtig-floral, fein, gradlinig und bekömmlich.

Julia Walch
Julia Walch hat die Leitung auf dem Weingut ihres Grossvaters Wilhelm Walch übernommen.

Schloss Englar
Schloss Englar ist ein stattlicher Bauernhof. Hier leben Tiere und Menschen im Einklang miteinander. Alles wird nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet. So bemerkt Graf Khuen Belasi (Besitzer von Schloss Englar) belustigt, es komme immer wieder vor, dass man zwischen den Rebzeilen auf ein Hühnerei stösst. Denn die Hühner spazieren hier frei herum und fressen Schädlinge.

Die gesamte Rebfläche beträgt gerade mal 7 ha. Johannes Graf Khuen-Belasi keltert das Erntegut selbst. Zur Seite steht ihm als Oenologe der junge Johannes Pichler vom benachbarten Bergmannshof. Er ist in einer Weinbaufamilie aufgewachsen und beherrscht sein Metier in den Reben und beim Ausbau des Weines wahrlich.

Im modern eingerichteten, kleinen Keller ist alles vorhanden, was man braucht: offene Holz-Standen für die langsame Vergärung, ein Kühlsystem, Stahltanks und einige wenige Eichenbarriquen. Gearbeitet wird ohne Zuchthefe, der Wein entwickelt sich in seinem Tempo. Johannes Pichler meint: «Überraschungen und Unvorhergesehenes sind möglich und machen den ganzen Vorgang spannend.»

Die Englar-Weine beeindrucken mit ihrer blitzblanken, sauberen und mineralischen Art, ihrer Sorten-Typizität und ihrer wunderbaren Ausgewogenheit.

Johannes Pichler ist der junge und überaus kompetente Oenologe auf Schloss Englar. Er stammt aus einer alten Weinbaufamilie, dem benachbarten Bergmannhof.

Bergkellerei Passeier
Konrad Pixner ist Oenologe, Tüftler und Bergsteiger. Dieser scharfsinnige und kluge «Weinkünstler» verwirklicht im Passeiertal zusammen mit Lukas Pfister eine naturnahe Weinbereitung mit möglichst wenig Interventionen.

Er erzählt: «Dass bei einem solchen Unterfangen alles gut geht, braucht es auch ein wenig Glück. Bei mehreren Lesegängen im gleichen Rebberg und Spontangärung (ohne Zuchthefe) kann man nicht alles planen. Während der Gärung habe ich sehr gelitten, habe fast schon gebetet unter dem Tank, dass der Wein durchgärt.»

Konrad hat in Bordeaux, Portugal, Südafrika, Neuseeland und im Südtirol Weinbau studiert.
Lukas kommt aus einer Weinbaufamilie mit Reben in Argentinien. Die beiden Jungwinzer glauben an nuancenreiche «Hochlagenweine». Ihre Trauben wachsen an einer Steillage auf 1000 m Höhe. Bei einer Beschränkung der Erträge reifen die Trauben auch hier gut aus.

Der Tatendrang dieser zwei Produzenten, ihr reichhaltiges Wissen und ihre ausdrucksstarken Weine imponieren uns. Diese zeigen in der Nase und am Gaumen eine beeindruckende Präsenz, Klarheit und Kraft. Es sind einmalige Gewächse mit viel Charakter.

Konrad Pixner und Lukas Pfister von der Bergkellerei Passeier
Die innovativen Jungwinzer Konrad Pixner und Lukas Pfister von der Bergkellerei Passeier

Caves Cooperatives

Daraus ergibt sich eine Besonderheit und sie hat im Südtirol eine lange Tradition: Der meiste Wein kommt aus Genossenschaftskellereien. Zur Bewirtschaftung der kleinen und kleinsten Parzellen (z.T. nur 7 ha gross), haben sich viele Winzer in Genossenschaften zusammengeschlossen.

Ein alter Ruf
Solche Cantine cooperative hatten lange einen schlechten Ruf. Sie galten als Produzenten, denen Quantität über Qualität ging. Und das war oft auch der Fall: Kalterer zum Beispiel oder Magdalener wurden tankweise exportiert und in Liter- oder Halbliter-Flaschen abgefüllt (wie früher Fendant oder Chasselas).

Inzwischen hat sich viel verändert, nicht zuletzt der Anspruch der Konsumenten. Heute ist Qualität gefragt. Dies beinhaltet den Wunsch, den Ausdruck des Bodens und der Region im Wein zu spüren, ebenso wie die Machart der lokalen Winzer. All das ist als Terroirgedanke zu verstehen.

Jedenfalls haben die Genossenschaftskellereien in den letzten 20 Jahren starke Investitionen getätigt und ihren Ruf durch harte Arbeit verbessert.

Im Herbst sind sie überall: Diese kleinen Traktore fahren die Trauben in die Kellereien und verlangsamen das Tempo im Südtirol .

Rebellen und Künstler

Neben den Grosskellereien gibt es unabhängige, kleine und nicht ganz so kleine Weinbaubetriebe. Oft werden sie biologisch oder biodynamisch von kunstverbundenen, innovativen Winzern geführt.

Nicht selten auch mit einem Hang zur Rebellion. Denn der Geist von Andreas Hofer (1767 – 1810), des Anführers des Befreiungsschlages gegen Bayern, ist allgegenwärtig. Kein Ort, an dem nicht eine Statue oder Inschrift an ihn erinnert.

Doch zurück zum Wein. Viele Winzer hier sind Tüftler. Sie probieren aus, verbessern, erfinden und wollen sich nichts vorschreiben lassen.

Ein Charakterzug übrigens, der uns Schweizern sehr ähnlich ist. Und doch muss man neidlos zugeben: In Sachen Innovation im Weinbau sind die Südtiroler uns oft überlegen. Beispiele sind Alois Lageder, der ja auch biodynamisch anbaut oder Konrad Pixner von der Bergkellerei Passeier. Diese Jungwinzer sind in der Tat wahre Weinkünstler mit viel Potential.

Kategorien: Rebsorten, Reiseberichte und-erfahrungen und Teaser-Startseite.

Prominent words: 7 ha, autochthonen rebsorten, bergkellerei passeier, boden und klima, bündner herrschaft, cabernet sauvignon, johannes pichler, julia walch, konrad pixner, lagrein und vernatsch, merlot und cabernet, merlot und cabernet sauvignon, pinot grigio, pinot noir, rebsorten, sauvignon blanc, schloss englar, südtirol, trauben und wilhelm walch.